Marie Luise Ritter

... schreibt über die Liebe

Marie Luise Ritter, geboren in der Nähe von Leipzig, hat Journalistik studiert, um sich danach mit dem Schreiben selbstständig zu machen. Als freie Texterin, Bloggerin und Beraterin lebt sie nach fünf Jahren in Hamburg inzwischen in Berlin. Mit luiseliebt.de hat sie vor neun Jahren ihr digitales Tagebuch ins Leben gerufen, aus dessen Texten seitdem drei Bücher entstanden sind.   

Diese erzählen vom Leben und von der Liebe, betten ihre eigenen Erlebnisse, Gedanken und Träume in lebens-bejahende Geschichten und sind eine Hymne an die Lebensfreude, Liebe in all ihren Facetten und das einfach „Sein“. Ihren Alltag verbringt sie mit Hündin Penny zwischen Berliner Abenteuern, Büchern und Bananenbrot.

NEU: GROSSSTADTKOLUMNE

abgestumpft

Triggerwarnung: Belästigung Fuck mich nicht ab, denke ich und rolle mit den Augen. Dann sage ich es auch laut, direkt zu ihm, mit festem Blick. “Fuck mich nicht ab und lass mich in Ruhe, klar?” Er hört trotzdem nicht auf, neben mir her zu laufen. Ich hatte erst gar nicht gemerkt, dass ein junger Mann mir auf meinem Nachhauseweg folgte. Wir hatten in der U-Bahn kurz Blickkontakt gehabt, ich hatte aber die meiste Zeit auf die Playlist auf meinem Handy gestarrt. Es war mein Rückweg von der Uni, Samstag Abend, ich war geschlaucht und unkonzentriert. In letzter Sekunde war ich an meiner Station rausgehechtet, und er wohl hinterher. Wahrscheinlich wohnte er auch einfach in diesem Viertel. Ich klickte die Lautstärketasten an meinem Handy lauter und stapfte weiter durch die dunkle Nacht. Das Laub unter meinen Schuhen knirschte, ich ging schnell und mit meinen Gedanken völlig in diesem Song auf, bis ich etwas meine Schulter streifen spürte. Ich sah, dass der Mann aus der U-Bahn zu mir aufgeholt hatte und nun neben mir lief. Zu dicht. Ich wich von ihm ab und machte einen Schritt Richtung Bordsteinkante, während ich weiterging. “Hi, du bist mir aufgefallen, kann ich dich kennenlernen?“, sprach er mich

weiterlesen?

dating in zeiten des lockdowns

“Warte kurz, die Verbindung ist gerade noch zu wacklig … so, jetzt habe ich dich. Hi.” Meine Freundin neben mir lacht in die Videoübertragung auf ihrem Telefon. Wir sitzen auf ihrem Balkon in Berlin-Friedrichshain, eingewickelt in dicke Decken. Zweiter Lockdown. Maximal zwei Haushalte gleichzeitig. Die dritte im Bunde haben wir per Videocall zugeschaltet — aber sie ist eh gerade in häuslicher Quarantäne. Nachdem Silvie ihr Online-Date Max zum Spazieren getroffen hatte, wurde er ein paar Tage später positiv auf covid-19 getestet.  “War das Date denn wenigstens schön?”, erkundigt sich Maja neben mir. Aus dem Telefon kommt nur ein Schnaufen. Über uns wackelt eine Lichterkette im kalten Novemberwind. Meine Hände wärme ich mir am mitgebrachten Glühwein. “Das ist ja das Schlimme. Kennst du diese Menschen, denen man alles aus der Nase ziehen muss, und die nichts von selbst fragen, keine Anstalten machen, einfach so etwas zu erzählen? Es war, ungelogen, der mühseligste Spaziergang meines Lebens. Nicht mal ein gutes Date gehabt, und dann zwei Wochen dafür zu Hause hocken. Das hat sich dann ja richtig gelohnt.” Sie rollt dramatisch mit den Augen. “Die Frau vom Gesundheitsamt hat gelacht, als sie mich angerufen hat. Scheinbar hat sie schon jede Menge Dates vor

weiterlesen?

sich nah sein

Ubuntu. Ich lese das Wort und muss lächeln. Es bezeichnet im afrikanischen Zulu die Erfahrung, sich als Teil von etwas zu fühlen. Eine Philosophie der Verbundenheit, die erkennt, dass einer nur durch die Existenz der anderen leben kann. Ich lese es wieder laut, und lasse mir die Vokale im Mund zergehen. Ich finde das Wort wunderschön. Im Deutschen gibt es kein Äquivalent dafür.   “Sich als Teil von etwas fühlen”. Ich denke an meine Zeit auf Reisen, in Hostels, und dann an meine zwei Sommer als Reiseleiterin unter der spanischen Sonne. Wir funktionierten nur als Team, mussten uns aufeinander verlassen können, die Aufgaben jeden Tag neu verteilt, Stranddienst, Ausflüge begleiten, Aushänge machen, Problemmanagement, Sprechstunde, jeder ein Zahnrad in einem größeren System. Tagsüber zu einer Gemeinschaft beitragen, abends zusammen das Leben feiern. Ich habe mich sicher nie so sehr als Teil von etwas gefühlt, wie dort. Das da, war Familie. Ich sehe die lachenden Gesichter über babyblauen Shirts und Namens-Keylaces vor meinem geistigen Auge, die Übermüdung, die durchgetanzten Nächte, die kalten Pizzastücke, die Teammeetings um 18 Uhr, ein Kreis aus weißen Plastikstühlen und das erste Bier des Tages danach. Gekühlt aus kleinen, roten Estrella-Dosen vom Souvenir-Kiosk nebenan. Flip Flops, Sonnenbrand und

weiterlesen?

Meine Bücher

»Natürlich, die besten Typen laufen einem an Kaffeetheken, auf Spaziergängen (Hund!) und vor allem dann, wenn man es nicht erwartet über den Weg – manchmal aber eben auch bei Tinder«

Sie erlebt vorsichtige Dating-Versuche, innige Freundschaften und die immer wiederkehrende Frage, was man in Dating-Apps eigentlich sucht — und ob man überhaupt etwas suchen sollte. Ein Buch übers Erwachsenwerden und Sich-Selbst-Finden in der Großstadt. 

»Vom Nichts suchen und Alles finden« erzählt hoffnungsvoll vom Loslassen alter Ideen und festgesetzter Muster, vom Zulaufen auf neue Abenteuer. Und von der Liebe. Vor allem von der Liebe. 

Weil das Leben eine Reise ist, auf der man sich genauso gut verlieren wie wiederfinden kann. Weil die besten Dinge sich abseits des Weges ergeben, wenn man nicht mit ihnen rechnet. Süße Spontanbegegnungen, ein Sommer-Roadtrip mit dem Bulli durch Frankreich, die Bar voller Einheimischer auf Reisen …