Marie Luise Ritter

... schreibt über die Liebe

Marie Luise Ritter, geboren in der Nähe von Leipzig, hat Journalistik studiert, um sich danach mit dem Schreiben selbstständig zu machen. Als freie Texterin, Bloggerin und Beraterin lebt sie nach fünf Jahren in Hamburg inzwischen in Berlin. Mit luiseliebt.de hat sie vor zehn Jahren ihr digitales Tagebuch ins Leben gerufen, aus dessen Texten seitdem drei Bücher entstanden sind.   

Diese erzählen vom Leben und von der Liebe und sind eine Hymne an das einfach “Sein”. In ihrer Großstadtkolumne widmet sie sich Dating, Freundschaften und innerer Zufriedenheit. Den Alltag verbringt Marie Luise Ritter mit Hündin Penny zwischen Büchern, Berliner Abenteuern und Bananenbrot.

NEU: GROSSSTADTKOLUMNE

gesehen zu werden

Hektisch bereitet er in seiner Wohnung die Drinks zu und reicht mir einen, bevor er wieder sein Zimmer verlässt, um irgendetwas im Flur zu räumen. Alleingelassen sitze ich mit einem Aperol auf seinem kleinen Sofa und blicke mich in dem chaotischen Zimmer um. Es ist ein sauberes, unaufregendes, schönes Chaos. Verteilte Fotografiemagazine, ein Fahrrad, das leicht angetippt an der Wand steht, als würde es sie nicht mehr als nötig berühren wollen. Auf Leinwand gezogene Bilder, Unterlagen auf einem Haufen am Rand der Heizung, fein säuberlich gestapelt. Ästhetisch irgendwie. Nicht so wie bei mir, wo am Ende einer anstrengenden Woche Klamotten, Wäsche, und die halbgepackte Sporttasche irgendwo auf einem unansehnlichen Haufen liegen und vor sich hinstauben und der Müll anfängt, unangenehm zu riechen. Ich weiß nicht, wie er dieses Chaos erschafft. Sieht künstlerisch aus, und er da mitten drin, der Mittelpunkt seiner eigenen Welt.   „Ich habe das Gefühl, er sieht mich nicht“, werde ich am nächsten Tag zu einer Freundin sagen und es ganz genau so meinen. „Ich habe das Gefühl, er sieht durch mich hindurch.“ Es ist, als würde er mich in kleine Zeitfenster seines Alltages dazwischen quetschen. Am Ende macht es keinen Unterschied, ob ich mich in seiner

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39,5 Grad

„I saw the sun begin to dim“, wird mir ein neues Lied mitten in den Raum geworfen, From Now On aus dem The Greatest Showman Soundtrack, und ich habe einen dieser Flashbacks, bei dem sich mir die Kehle zuschnürt. So schnell ich kann, klicke ich weiter. „Was willst du diesen Menschen sagen, die sich nicht impfen lassen wollen?“, hatte mich die Ärztin im Impfzentrum in der Arena am vergangenen Montag Vormittag gefragt. Sie hatte mich ausführlich über meine Infektion im Frühling ausgefragt, sich immer wieder für ihre Fragen entschuldigt, auf die ich etwas abgeschlagen und einsilbig antwortete. Es ist kein Thema, über das ich unbefangen und locker plaudern kann. Ich sehe an ihr vorbei, weil ich ihrem Blick nicht standhalten kann.   Die Vorhänge vor meinen Fenstern bewegten sich im Wind mit. Es war kalt Ende März. Auf meinem Nachttisch türmten sich angefangene Essen, die ich nicht mehr beenden oder wegräumen konnte, dicke Pullis, die ich vollgeschwitzt hatte, während das Fieber immer weiter stieg. In meinen Fieberträumen fantasierte ich vom Reisen, von neuen Abenteuern. Zeitweise fühlte es sich an, als würde die Zukunft an mir vorbeiziehen, nach der ich immer wieder versuchte zu greifen. Bewegte Bilder, die sich in großen

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Noch wach?

“Ich würde ihn wirklich, wirklich gerne noch sehen. Ich will jetzt nicht ins Bett gehen und den Abend einfach so für beendet erklären.” „Dann slide doch in seine DM’s“, schlägt meine eine Freundin der anderen vor. “Also, wenn du ihn sehen willst, meine ich.” Wir sitzen in ihrem Wohnzimmer bei einem Glas Rotwein und dem Kaminknistern auf dem Fernseher, trotz Hochsommer. Es ist 22:30 Uhr. Gerade lauschten wir gebannt ihrer Erzählung von zwei Spaziergeh-Dates mit einem südafrikanischen Rugby-Spieler, aus denen noch nicht mehr wurde. Aus denen auch nicht mehr werden muss, wie ich befand – ich bin gerade ein sehr großer Fan davon, Menschen kennenzulernen, und die schönsten, intensivsten Freundschaften aufzubauen. Aber mit seinem Profilhinweis ‘etwas Unverbindliches’, was man bei bumble einstellen konnte, und ihrem Interesse an ebensolchem, war die Sache für meine Freundin wohl klar.„Sliden wohin? Hör auf zu sprechen als wäre das hier Tiktok oder Clubhouse. Was soll das überhaupt heißen?“, fragt sie zurück.    „Du sollst ihm schreiben”, lache ich. “In seinen Nachrichteneingang hüpfen wie ein abgeworfener Fallschirmspringer.“„Um die Uhrzeit?“„Ja.“„Und was?“„Naja …“ Wir anderen drei gucken sie an, sie taxiert uns zurück, ein bisschen verständnislos. „Wat?“„Das was man in diesem Moment schreibt. Zumindest wenn man Absichten hat

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Meine Bücher

»Natürlich, die besten Typen laufen einem an Kaffeetheken, auf Spaziergängen (Hund!) und vor allem dann, wenn man es nicht erwartet über den Weg – manchmal aber eben auch bei Tinder«

Vorsichtige Dating-Versuche, innige Freundschaften und die immer wiederkehrende Frage, was man in Dating-Apps eigentlich sucht — und ob man überhaupt etwas suchen sollte. Ein Buch übers Erwachsenwerden und Sich-Selbst-Finden in der Großstadt. 

»Vom Nichts suchen und Alles finden« erzählt hoffnungsvoll vom Loslassen alter Ideen und festgesetzter Muster, vom Zulaufen auf neue Abenteuer. Und von der Liebe. Vor allem von der Liebe. 

Weil das Leben eine Reise ist, auf der man sich genauso gut verlieren wie wiederfinden kann. Weil die besten Dinge sich abseits des Weges ergeben, wenn man nicht mit ihnen rechnet. Süße Spontanbegegnungen, ein Sommer-Roadtrip mit dem Bulli durch Frankreich, die Bar voller Einheimischer auf Reisen …