Marie Luise Ritter

... schreibt über die Liebe

Marie Luise Ritter, geboren in der Nähe von Leipzig, hat Journalistik studiert, um sich danach mit dem Schreiben selbstständig zu machen. Als freie Texterin, Bloggerin und Beraterin lebt sie nach fünf Jahren in Hamburg inzwischen in Berlin. Mit luiseliebt.de hat sie vor zehn Jahren ihr digitales Tagebuch ins Leben gerufen, aus dessen Texten seitdem drei Bücher entstanden sind.   

Diese erzählen vom Leben und von der Liebe und sind eine Hymne an das einfach “Sein”. In ihrer Großstadtkolumne widmet sie sich Dating, Freundschaften und innerer Zufriedenheit. Den Alltag verbringt Marie Luise Ritter mit Hündin Penny zwischen Büchern, Berliner Abenteuern und Bananenbrot.

NEU: GROSSSTADTKOLUMNE

Verfallsdatum: Singlefreundschaften?

Rückblick Sommer „Erzähl mal, wie ist es bei dir gerade so? Wie ist dein Sommer?“ Max und ich saßen am Späti. Wir kannten uns erst seit ein paar Tagen, hatten uns über den Freundeskreis kennengelernt. Heute hatte er mir gegen 21:15 Uhr geschrieben, dass er noch in einem Onlinemeeting hing, und dringend noch frische Luft brauchte, und ob ich für ein Bier kurz rauskommen wollte. Ich war gerade auf dem Heimweg vom Sport mit meiner Freundin, auf dem Sprung in die U-Bahn und hatte kurzerhand zugesagt. Ich liebe Spontanität, und Menschen über ihr Leben auszufragen. In der Nähe des Rosenthaler Platzes genossen wir die milden Temperaturen des Spätsommers in der Dunkelheit. „Ich würde sagen. Für mich ist es ein Sommer der Freundschaften“, fing ich an. „Also dass wir sowohl an bestehende Freundschaften viel intensiver anknüpfen, aber auch viel offener sind für neue Menschen.” Ich hatte das Gefühl, dass wir uns nach Haushaltseinschränkungen und geschlossenen Bars, nach limitieren Freizeitaktivitäten und dem permanenten Risiko einer Ansteckung ganz gut eingerichtet hatten in unseren ‘kleinen Kreisen’. Dass das herausgenommene Tempo uns erlaubte, uns noch einmal ganz anders auf unsere Freundschaften einzulassen. Vielleicht auch mit der Frage im Hinterkopf: Wenn Zeit so kostbar ist, mit

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gesehen zu werden

Hektisch bereitet er in seiner Wohnung die Drinks zu und reicht mir einen, bevor er wieder sein Zimmer verlässt, um irgendetwas im Flur zu räumen. Alleingelassen sitze ich mit einem Aperol auf seinem kleinen Sofa und blicke mich in dem chaotischen Zimmer um. Es ist ein sauberes, unaufregendes, schönes Chaos. Verteilte Fotografiemagazine, ein Fahrrad, das leicht angetippt an der Wand steht, als würde es sie nicht mehr als nötig berühren wollen. Auf Leinwand gezogene Bilder, Unterlagen auf einem Haufen am Rand der Heizung, fein säuberlich gestapelt. Ästhetisch irgendwie. Nicht so wie bei mir, wo am Ende einer anstrengenden Woche Klamotten, Wäsche, und die halbgepackte Sporttasche irgendwo auf einem unansehnlichen Haufen liegen und vor sich hinstauben und der Müll anfängt, unangenehm zu riechen. Ich weiß nicht, wie er dieses Chaos erschafft. Sieht künstlerisch aus, und er da mitten drin, der Mittelpunkt seiner eigenen Welt.   „Ich habe das Gefühl, er sieht mich nicht“, werde ich am nächsten Tag zu einer Freundin sagen und es ganz genau so meinen. „Ich habe das Gefühl, er sieht durch mich hindurch.“ Es ist, als würde er mich in kleine Zeitfenster seines Alltages dazwischen quetschen. Am Ende macht es keinen Unterschied, ob ich mich in seiner

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39,5 Grad

„I saw the sun begin to dim“, wird mir ein neues Lied mitten in den Raum geworfen, From Now On aus dem The Greatest Showman Soundtrack, und ich habe einen dieser Flashbacks, bei dem sich mir die Kehle zuschnürt. So schnell ich kann, klicke ich weiter. „Was willst du diesen Menschen sagen, die sich nicht impfen lassen wollen?“, hatte mich die Ärztin im Impfzentrum in der Arena am vergangenen Montag Vormittag gefragt. Sie hatte mich ausführlich über meine Infektion im Frühling ausgefragt, sich immer wieder für ihre Fragen entschuldigt, auf die ich etwas abgeschlagen und einsilbig antwortete. Es ist kein Thema, über das ich unbefangen und locker plaudern kann. Ich sehe an ihr vorbei, weil ich ihrem Blick nicht standhalten kann.   Die Vorhänge vor meinen Fenstern bewegten sich im Wind mit. Es war kalt Ende März. Auf meinem Nachttisch türmten sich angefangene Essen, die ich nicht mehr beenden oder wegräumen konnte, dicke Pullis, die ich vollgeschwitzt hatte, während das Fieber immer weiter stieg. In meinen Fieberträumen fantasierte ich vom Reisen, von neuen Abenteuern. Zeitweise fühlte es sich an, als würde die Zukunft an mir vorbeiziehen, nach der ich immer wieder versuchte zu greifen. Bewegte Bilder, die sich in großen

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Meine Bücher

»Natürlich, die besten Typen laufen einem an Kaffeetheken, auf Spaziergängen (Hund!) und vor allem dann, wenn man es nicht erwartet über den Weg – manchmal aber eben auch bei Tinder«

Vorsichtige Dating-Versuche, innige Freundschaften und die immer wiederkehrende Frage, was man in Dating-Apps eigentlich sucht — und ob man überhaupt etwas suchen sollte. Ein Buch übers Erwachsenwerden und Sich-Selbst-Finden in der Großstadt. 

»Vom Nichts suchen und Alles finden« erzählt hoffnungsvoll vom Loslassen alter Ideen und festgesetzter Muster, vom Zulaufen auf neue Abenteuer. Und von der Liebe. Vor allem von der Liebe. 

Weil das Leben eine Reise ist, auf der man sich genauso gut verlieren wie wiederfinden kann. Weil die besten Dinge sich abseits des Weges ergeben, wenn man nicht mit ihnen rechnet. Süße Spontanbegegnungen, ein Sommer-Roadtrip mit dem Bulli durch Frankreich, die Bar voller Einheimischer auf Reisen …