KOLUMNE

Hafentrubel

Ich habe durch einen Zufall die perfekte Wohnung in erster Reihe in Nizza am Hafen gefunden. Alt aber charmant, typisch französisch eben, alles knackt und knarzt ein bisschen, und der Blick Richtung offenes Meer ist atemberaubend. Von den Fenstern aus sieht man einen Sonnenaufgang, der sich jeden Morgen erst zart und dann komplett orange hinter den Hügeln des Mont Boron hervorarbeitet, um dann das ganze Gebiet rund um Port Lympia, das Wasser und die darauf schippernden Boote in goldenes Licht

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Einen Ort vermissen

Ich habe 2,5 Monate in Südfrankreich verbracht, in Nizza direkt am Hafen, genauer gesagt. Dieses Jahr im Winter, quasi den ganzen Jahresbeginn. Diese Zeit war so etwas besonderes. Ich bin mit meinem Auto runtergefahren, um mich dort in einem Apartment einzuschließen und mein neustes Buch fertig zu schreiben. Das, das jetzt so ein schönes Cover mit blauer Schrift und einer Zitrone ziert, das ich da noch nicht kannte. Zu jenem Zeitpunkt hatte ich nur eine Menge Notizen, eine ungewisse Zukunft,

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Paris im September

September fühlt sich für mich jedes Jahr wieder nach Neuanfang an. Vielleicht wegen der Blätter, die Jahr für Jahr immer früher von den Bäumen schweben und nun schon im August unter meinen knirschenden Schritten landen. Vielleicht, weil das Ende des Sommers jedes Jahr wie ein Weckruf scheint, sich noch einmal neu auszurichten, in diesem Jahr, das nun auf der zweiten Hälfte liegt, und auch generell. Im September wird mir immer die Zerbrechlichkeit der Zeit bewusst, vor allem meiner eigenen, eine

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Südfrankreich

„Merci beaucoup“, bedanke ich mich beim Vermieter und nicke, den kalten Schlüssel in meiner linken Faust umklammert. Vorsichtig schließe ich die Tür des Apartments auf. Sie ist rot gestrichen, aus Holz und hängt schief in der Verankerung. Ich brauche Kraft, um sie aufzudrücken. Sonne fällt dahinter auf den weißen Holzboden, der leicht knarzt, während ich über ihn zu den Fenstern laufe, um mir die Aussicht anzusehen. Wir befinden uns direkt am Hafen, in einem vierten Stock ohne Aufzug. Ich seufze

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Zeit, in sich zu kehren

Ich sitze gerade in Lissabon in einem Coffeeshop, während der Regen von den Markisen draußen in dicken Bindfäden herunterhängt. Die Farben der bunten Stadt sehen ein bisschen blasser aus als sonst, getaucht in diesiges Licht und damit auch eine gewisse Melancholie. Es ist Dezember. Nicht nur wettertechnisch die perfekte Zeit, um nach innen zu kehren, sich in warme Räume zurückzuziehen wie in das eigene Innere. Dafür war ich hergekommen. Denn irgendwie fühle ich mich gerade gar nicht so richtig „bei

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Vom Kommen und Gehen

Ich habe ewig lang keine Kolumne mehr hier veröffentlicht. Und das ist ja auch gar nicht schlimm. Denn manchmal fließen Texte aus einem heraus, manchmal sammelt man sie eher, um sie dann in ein Buch zu packen, manchmal passiert zu viel Gutes, um überhaupt die Ruhe zu haben, zum Schreiben zu kommen. Oder es fehlen die Tiefen. Ich glaube, mich prägen vor allem die negativen Erfahrungen, Gedanken oder Entwicklungen – und auch die bringen mich zum Schreiben. So ist vor

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sich mitzuteilen

Ich schultere den Sixpack Wasser, klemme mir Post und den restlichen Einkauf unter den Arm und schiebe meine Eingangstür mit dem Fuß auf, um den Hund vor mir reinzulassen. Oben im vierten Stock lasse ich alles auf meinen freistehenden Tresen fallen und greife mir eine kalte Dose Cola aus dem großen Kühlschrank. Über die offene Balkontür fällt die Sonne in langen Bahnen auf den dunklen Holzboden, der leicht knarzt, als ich über ihn tapse, um die Glasscheiben aufzuschieben und Licht

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diese Ruhe

Ich halte mein Gesicht in die Sonne, die langsam über die gegenüberliegenden Hausfassaden klettert, und schließe meine Augen. Morgens hängt hier noch diese klamme Kälte der vorangegangenen Nacht in den Straßen, die erst mit der aufsteigenden Sonne aufgewärmt und verscheucht wird. Es sind noch keine achtzehn Grad. Meine nackten Beine winkele ich nah an meinen Oberkörper und stülpe meinen übergroßen Pullover mit über sie, dann lehne ich mich zurück. Die Wohnung und die Straße unter mir ist noch ganz still.

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Aufbruch

Wisst ihr, welchen Gedanken ich liebe? Den, dass wir noch gar nicht alle Menschen kennengelernt haben, die wir in unserem Leben lieben werden. Und vor allem auch: Dass wir noch gar nicht alle Teile an uns selbst kennengelernt haben, die wir lieben werden. Dass da noch so viele Sonnenuntergänge und gemachte Fotos, fest zugedrückte Umarmungen und geschenkte Lächeln, Charakterzüge und Eigenheiten kommen werden, von denen wir jetzt noch keine Ahnung haben. Kurz: Wie viel da noch ist, was noch kommt,

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Zuhause

„Wie wäre es wohl, hier zu wohnen? Wie wäre es überhaupt irgendwo anders zu wohnen?“ Ich sitze neben Noah im Sand. Wir alberten herum, hatten uns ein leeres Haus am Strand als Mittelpunkt unserer Träume ausgesucht, meinten nichts davon ernst, aber trotzdem war alles real. Ich konnte mir vorstellen, hier am Meer in Nicaragua zu leben und jeden Morgen mit den Wellen aufzustehen und surfen zu gehen. Zwanzig Meter durch den heißen Sand zu rennen und morgens als erstes die

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