KOLUMNE

Verfallsdatum: Singlefreundschaften?

Rückblick Sommer „Erzähl mal, wie ist es bei dir gerade so? Wie ist dein Sommer?“ Max und ich saßen am Späti. Wir kannten uns erst seit ein paar Tagen, hatten uns über den Freundeskreis kennengelernt. Heute hatte er mir gegen 21:15 Uhr geschrieben, dass er noch in einem Onlinemeeting hing, und dringend noch frische Luft brauchte, und ob ich für ein Bier kurz rauskommen wollte. Ich war gerade auf dem Heimweg vom Sport mit meiner Freundin, auf dem Sprung in

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gesehen zu werden

Hektisch bereitet er in seiner Wohnung die Drinks zu und reicht mir einen, bevor er wieder sein Zimmer verlässt, um irgendetwas im Flur zu räumen. Alleingelassen sitze ich mit einem Aperol auf seinem kleinen Sofa und blicke mich in dem chaotischen Zimmer um. Es ist ein sauberes, unaufregendes, schönes Chaos. Verteilte Fotografiemagazine, ein Fahrrad, das leicht angetippt an der Wand steht, als würde es sie nicht mehr als nötig berühren wollen. Auf Leinwand gezogene Bilder, Unterlagen auf einem Haufen am

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39,5 Grad

„I saw the sun begin to dim“, wird mir ein neues Lied mitten in den Raum geworfen, From Now On aus dem The Greatest Showman Soundtrack, und ich habe einen dieser Flashbacks, bei dem sich mir die Kehle zuschnürt. So schnell ich kann, klicke ich weiter. „Was willst du diesen Menschen sagen, die sich nicht impfen lassen wollen?“, hatte mich die Ärztin im Impfzentrum in der Arena am vergangenen Montag Vormittag gefragt. Sie hatte mich ausführlich über meine Infektion im

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Noch wach?

„Ich würde ihn wirklich, wirklich gerne noch sehen. Ich will jetzt nicht ins Bett gehen und den Abend einfach so für beendet erklären.“ „Dann slide doch in seine DM’s“, schlägt meine eine Freundin der anderen vor. „Also, wenn du ihn sehen willst, meine ich.“ Wir sitzen in ihrem Wohnzimmer bei einem Glas Rotwein und dem Kaminknistern auf dem Fernseher, trotz Hochsommer. Es ist 22:30 Uhr. Gerade lauschten wir gebannt ihrer Erzählung von zwei Spaziergeh-Dates mit einem südafrikanischen Rugby-Spieler, aus denen

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Loslassen

Ich zerreibe den Sand zwischen meinen Fingern, der sich schwer und regengetränkt anfühlt. Heute geht ein starker Wind, und die Oberfläche des Wassers legt sich in Kräuseln und aufbrechende Wellen. Bis auf ein älteres Paar, ein paar hundert Meter entfernt, bin ich hier allein. Es ist einer meiner liebsten Orte rund um meine Heimatstadt. Heute war ich hergekommen, um ein paar Bahnen alleine zu schwimmen, mir den kalten Wind ums Gesicht wehen zu lassen und die vielen Gespräche dieser Woche

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hot … was?

„Was machst du heute Abend?“, erscheint seine Nachricht auf meinem Display. „Schon was vor?“Es ist früher Abend und ich bin gerade in meinen angezogenen Sportsachen dabei, noch schnell die Pflanzen in Fensternähe zu gießen, nachdem die Sonne und die Hitze des Tages so langsam aus meiner Wohnung verschwunden waren.Ich hatte mir drei Tage freigenommen, um mal wieder ganz konzentriert für mich zu sein. Zu schreiben, das restliche Jahr zu planen und mich einfach ein bisschen durch den Tag und den

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Allein

Ich taste die Zimmerdecke meines Schlafzimmers Zentimeter für Zentimeter mit meinen Augen ab. Zu mehr bin ich körperlich nicht in der Lage. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt ein menschliches Gesicht gesehen habe. Niemand darf zu mir, ich darf nicht raus. Zwangsweise an ein Bett gefesselt, das sich anfühlt, als würde es immer größer werden. Die Leere erdrückt mich. Und während sich jeder Tag schlimmer und noch mehr nach einem körperlichen Aufgeben anfühlt, als der davor, kriecht eine

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Am Leben zu sein

An einem kleinen Blumenstand auf der Schanze decke ich mich am nächsten Morgen mit frischen Geranien ein und mache mich damit auf den Weg zu Hera, meiner ältesten Freundin. Wir sind früher Nachbarinnen gewesen, seitdem habe ich sie fest in mein Herz geschlossen. Sie sieht jung und wunderschön aus, wie eine Diva vergangener Jahrzehnte. Strahlend öffnet sie mir die Tür zu ihrem kleinen Paradies mit Garten. Ihre Wohnung ist keine vierzig Quadratmeter groß. Weiße Holzmöbel tragen große Blumensträuße in verschnörkelten

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Eine Acht oder höher

Es gibt eine Szene in der Serie How I met your mother, in der Lily und Marshall, frisch Eltern geworden, Ted irgendwo in New York bitten, ihnen nur noch von den Frauen zu erzählen, die eine Acht oder höher sind. Sie nicht mehr mit jede seiner Dating Geschichten „zu belästigen“. Meine Freundin Marlene hatte zu mir mal etwas Ähnliches gesagt. Dass sie nicht von jedem hören will, egal ob One-Night-Stand oder einem Fremden, der in der Bahn kurz gelächelt hat,

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Schneedecke

Der Nebel hängt tief in den Straßen, als ich um neun Uhr auf sie trete. Hier geht die Sonne auf, aber gerade wird sie vom Wetter verschluckt. Der Osten Berlins schläft noch. Der Schnee ist festgetreten, und man merkt, dass er langsam anfängt zu tauen. Spätestens ab heute Mittag wird er komplett verschwinden, während die Temperaturen zwischen den Straßenzügen immer weiter in den Plusbereich klettern werden. Bis dahin schluckt er wie eine schwere Decke noch die morgendlichen Geräusche, und während

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